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Diese Sonderausgabe des Magazins Belletristik entstand im Rahmen des deutsch-israelischen Austausch-Projektes Alltag. Hier sehen Sie die Ergebnisse dieses interkulturellen und interdisziplinären Austausches.

Ziel dieses deutsch-israelischen Austausches in Wort und Bild ist es, einen wechselseitigen Einblick in Alltag und Alltagserfahrungen innerhalb der unterschiedlichen Kultur- und Lebensräume zu gewähren. Die Texte deutschsprachiger Autoren wurden in dieser Ausgabe von jungen israelischen Künstlern aus Felix Scheinbergers Illustrationsklasse an der Bezalel Academy of Arts and Design illustriert, gleichzeitig entwerfen einige der Illustratoren Vorlagen für weitere Texte.

Umschlaggestaltung: Felix Scheinberger

Erschienen im März 2009. Vierter Jahrgang. Nummer Acht.
ISSN // 1861-9940

Die Ausgabe ist leider vergriffen.

 

Leseprobe

Schlachter
Jan Wagner

sieh mich bei sonnenaufgang, wenn bluti-
ge finger ein streichholz an der schachtel reiben,
ich rauchend, mit der ganzen palette
von purpur, inkarnat, rubin

am kittel, nach dem ersten schlachten
vorm tor stehe: eine luft, die von der kälte
noch roh ist und der himmel wie ein schlachten-
gemälde, das aus seinem rahmen fällt

über der stadt; die schweren glocken
von rindern hinter mir, denen die zungen,
kopfüber und betäubt an ihren haken,
als weiche klöppel vor den mäulern hängen.

uralt der schlachthof. die stadt entstand erst später,
wuchs mit ihren kirchen, ihren museen
über die vororte, umschloß ihn wie den splitter
das fleisch umschließt, vergißt. die massen

sind anderswo. kein reisebus trägt
sein kühles silber durch diese schmale gegend;
nur pritschenwagen voller vieh, verdreckt,
von rost benagt, die hupen klagend,

als ginge es zum schrottplatz. doch die bauern,
die scheu sind, steuern sie in das gewühle
der straßen zurück und lassen uns die braunen
ochsen und gescheckten kühe,

wesen im übergang: während der schwanz
auf irgendeiner wiese noch insekten
verscheucht, gewinnt ihr blick an glanz,
scheint in der ferne etwas zu entdecken.

sieh mich am mittag, wenn ich meinen karren
durchs viertel schiebe, das leuchtende gekröse
ein ölbild, das noch feucht ist. das kläffen und knurren
der hunde, die mir folgen, mich umkreisen,

mein treues publikum, ein pulk von schülern,
während die sonne die dächer sengt,
den satten duft von rot verstärkt. ein schillern-
der vorhang von fliegen, der sich hebt und senkt

 

Inhalt

Vorwort
Die Herausgeber | Illustration Felix Scheinberger

Schlachter
Literatur Jan Wagner | Illustration Adi Yerushalmi

Asphalt
Literatur  Felix Lüttge | Illustration Anna Shervchenko

Der Abdecker
Literatur Jan Decker | Illustration Oren Hetzroni

nach der Evakuierung
Literatur Marcel Maas | Illustration Miryam Vilnerganz

Diffuse Überlegungstrilogie
Literatur Alexander Græff | Illustration Itai Ron Gilboa

endlich.
Literatur Johanna Melzow | Illustration Lena Baklanova

Estoy Durmiendo [Auszug]
Literatur Lilly Jäckl | Illustration Jenny Sirton

Kotel
Literatur Johannes CS Frank | Übersetzung Ron Winkler | Illustration Felix Scheinberger

Postproduktion
Literatur Thien Tran | Illustration Tamar Hochstadter

Kajak und Kaffee
Literatur Christophe Fricker | Illustration Lena Baklanova

zweites urbanes Panneau
Literatur Ron Winkler | Illustration Nitzan Ron

In Grau
Literatur Andreas Hutt | Illustration Christine Rösch

Zu Fuß
Literatur Andreas Hutt | Illustration Sofia R. Cohen

schmale Schatten
Literatur Ulrike Almut Sandig | Illustration Guy Eytan

von abgeschmückten Bäumen
Literatur Ulrike Almut Sandig | Illustration Guy Eytan

rien ne va plus
Literatur Dana Buchzik | Illustration Paul Zürker

senkkörper
Literatur Cornelia Schmerle | Illustration Dalit Shalom

Der gezeichnete Krieg
Illustrationen von Anna Shervchenko, Gidi Gilam, Oren Hetzroni, Oree Holban, Dalit Shalom, Itai Ron Gilboa, Guy Eytan, Miryam Vilnerganz

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Info & Service


Das Projekt Alltag

Alltag — ein deutsch-israelischer Austausch