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»amen, amen« ist kein gewöhnliches Buch.

Ein gewöhnliches Buch wird gelesen und unter gewissen Umständen verbindet der Leser etwas oder sich selbst damit. Bei »amen, amen« ist das anders: man ist bereits unabdingbar eingebunden in Form und Inhalt der Erzählungen, Gedichte und Texte für die Bühne.

Die Sammlung preisgekrönter Texte zeigt, dass wir heute, jetzt und hier, Teil großer Geschichten und Teil großer Pathologien sind.

All dies erfährt der Leser jenseits gängiger Sprachmuster. In der Textcollage »Alles im Kanal« zappt man durch Fernsehprogramme mit Protagonisten, die all das sagen, was man nie im Fernsehen hört. Gedichte wie z. B. »Widmung« glänzen durch unerwartete Zärtlichkeit und Intimität und stehen in extremem Kontrast zu verstörend brutalen Szenen wie im Theaterstück  »psychopax«  oder der Erzählung »58 kg Lebendgewicht«, die dem Schicksal dreier Selbstmörder auf den Grund geht. 

In Lilly Jäckls Texten verbirgt sich die sublimierte Befindlichkeit einer marginalisierten Gegenwart inklusive ihrer ahistorischen Züge.

Ironische Sezierungen beiläufiger Alltagsempfindungen wechseln sich ab mit literarischen Perlen und einfachen Kinderreimen, die große Entwicklungsbögen nachzeichnen. Das Experiment, der Mut zu scheitern und der autoditaktische Zugang zur Sprache stehen hier in einem völlig eigenem Rahmen. Mit erstaunlicher Sicherheit in den verschiedenen Sprachformen zeigt die Autorin, dass in einem gedankenlosen Damals ein beachtliches Maß gedankenlosen Heutes steckt, das das Morgen in ein neues Licht rückt.

Es wird kalauert, politisiert, gedichtet und geschimpft. Lilly Jäckl zeigt uns ihre Sprachtodesspiralen und bringt dabei das Weltall, das ein Kettenhund ist, zum Flüstern, nachdem die Seelen von ORF- und RTL-, von ARD- und ARTE-Kameras aufgefressen worden sind. Witzig, ironisch, sarkastisch.
Josef Winkler

amen, amen
Texte: Lilly Jäckl
Illustration: Dieter Puntigam

Quartheft 18 der Bibliothek Belletristik
ISBN: 978-3-940249-35-7
148 Seiten | Hardcover
Preis: 24,90 €

© 2010 Verlagshaus J.Frank | Berlin
Alle Rechte vorbehalten.

 

Hörprobe

Über die Autorin

Lilly Jäckl, geb. 1978 in Graz
Autorin, Regisseurin

Studierte Buch und Dramaturgie in Wien und Potsdam, arbeitet seit 2007  als dramaturgische Betreuung, Beraterin und Lektorin für Filmproduktionsfirmen, freie Filmemacher und Verlage. Ihre eigenen Text- und Filmarbeiten veröffentlicht sie in Literaturzeitschriften, Zeitungen, bei Filmfestivals, im Rundfunk und TV in Österreich und Deutschland. Mit experimentellen multimedialen Performances und Installationen tritt sie in verschiedenen Formationen live auf.

Lilly Jäckl lebt in Berlin und beschäftigt sich mit divergierenden Wirklichkeitsbegriffen, Propagandamaterialien und zeitgenössischer Mythenbildung. Die ständige Polyphonie des Scheiterns an der Wirklichkeit ist ihr Kernthema und wird in ihren Arbeiten unbewertet zur Disposition gestellt.
 
Preise:
Drehbuchstipendium der Literar Mechana (für: "Im Namen der Republik")
Carl Mayer Förderpreis (für das Roadmovie: "Ildiko")

 

 

Titelseite: amen, amen.Lilly Jäckl. Quartheft 18 im Verlagshaus J. Frank, Berlin

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